… because of summit…

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  • sind in Sibiu sämtliche Fassaden in der Innenstadt, die die hohen Gäste aus dem Ausland gesehen haben, neu gestrichen und die Straßen, die von offiziellen Autos befahren werden sollten, neu gepflastert/asphaltiert/repariert worden, (ganz echt – kein Scheiß…)
  • sind Polizisten und Feuerwehrmänner aus ganz Rumänien in diese kleine Stadt eingeflogen worden, (gefühlt waren es bestimmt 6000 Männer)
  • haben wir keine Sachertorte im Cafe Wien essen können und haben stattdessen einen flüssigen Schokoladenpudding als heiße Schokolade in einem kleinen Cafe getrunken, wo wir eine junge Ärztin, eine echte Siebenbürger Sächsin, kennengelernt haben. Sie hat uns erzählt, dass sie früher zu mehreren Familien zusammen in einer Wohnung gelebt haben und dass das auch schön war, aber dass das lange vorbei sei. – Vor der Wende war hier wirklich alles deutschsprachig. Diese Kultur ist einfach verloren – die Deutschen sind ausgewandert. 800 Jahre unter widrigsten Bedingungen zusammen zu leben und eine Region urbar und wohlhabend zu machen, das hat eine spezielle Form des Miteinanders geschaffen, die es kaum anderswo gibt – mit allen Vor- und Nachteilen.
  • konnten wir ausgiebig die Übung „Gehen wie eine Königin“ machen – und beobachten, welchen Unterschied es macht, wie wir gehen, – vor allem bei den Polizeikontrollen
  • sind 66 Jugendliche und junge Erwachsene aus Deutschland und Österreich 60 Stunden mit dem Bus gefahren, um gemeinsam mit drei SchülerInnen aus Sibiu und einer Handvoll Erwachsener eine bunte und fröhliche Fridays for Future Demonstration vor die EU-Delegation zu bringen und einen offenen Brief zu übergeben.
  • sind wir eine halbe Stunde mit dem öffentlichen Bus nach Astra Muzeul und direkt wieder zurück gefahren, denn irgendwelche wichtigen Menschen – because of summit – wollten sich offensichtlich zeitgleich mit uns über die rumänische Kultur erkundigen und durften dann nur alleine hinein…
  • haben wir stundenlang im deutschen Buchcafe gestöbert und Tee getrunken und eine wunderbare – wirklich wunderbare – nein. das braucht einen extra Punkt:
  • haben wir die kulinarische Entdeckung des Urlaubs gemacht: „She`s green“ – ein veganes Rohkostrestaurant, die die leckersten Burger und Spaghetti mit Avocado machen – so so so lecker. 10 likes via Facebook. Unbedingt hingehen.
  • wurden kilometerweise Straßen beflaggt – und zwar alle, der ca. 25 m voneinander entfernt stehenden Straßenlaternen – und zwar mit der rumänischen und der europäischen Flagge – allerdings nur so weit, wie die Politiker beim Durchfahren der jeweils die Straßenlaternen gesehen haben.
  • freuen sich irgendwelche Sinti oder Roma auf einen neuen, roten Teppich, der schon wichtige Füße berührt hat und der ihnen nach dem Gebrauch übergeben werden wird.
  • haben wir am Zaun einige Menschen getroffen, die uns wertvolle Tips gegeben haben oder denen wir wieder begegnet sind. Zum Beispiel: Einigen Menschen, die sich im Namen einer Stiftung um den Erhalt der Kirchenburgen der Siebenbürger Sachsen kümmern. Oder Paula und ihren Eltern, die die Fridays for Future-Bewegung hier am laufen halten. Oderoderoder.
  • durften einige Volksgruppen nicht in die Stadt – oder wir haben sie in der Zeit nicht in der Stadt gesehen…(?)
  • sind wir kilometerweise um die Stadt gelaufen, um von A nach B zu kommen,
  • hat die Bevölkerung ein Konzert geschenkt bekommen (erst nach Abschluss des Summits), dessen Musik eher abtörnend war, aber die Sängerin konnte tatsächlich während des Singens am Vertikaltuch turnen (oder es war playback. – Glaub ich aber nicht.)

Also. Jetzt – wo ich das hier so schreibe, merke ich, dass wir ziemlich davon profitiert haben, dass wir zur Zeit des Summits in Sibiu waren. Am bewegendsten waren für mich zwei Momente an diesem Tag:

Als wir nach ewigen Umwegen durch die Polizeikontrollen zur FFF-Demo gekommen waren – und da alles war an Freude, Freiheit, Miteinander, Engagement, Freundlichkeit, Singen, Wertschätzung, Klarheit, Kreativität, Freundschaft, Menschlichkeit – das war einfach der Hammer. Das hat so eine andere Kraft, so eine andere Energie als diese rigide Art, wie unsere Regierung vor ihrem eigenen Volk geschützt wird! Das hat mir echt die Freudentränen in die Augen getrieben. Bitte macht bloß weiter so! Genau das braucht Europa, die Menschheit, alle. …..

Und der zweite Moment war, als wir zum Bus gelaufen sind und plötzlich viele Straßenzüge lang von einem Straßenhund mit Hundeblick begleitet wurden. Schön war er nicht, aber mir hat es das Herz gebrochen, ihn einfach zu ignorieren und schließlich abzuhängen. Das bin ich nicht gewohnt. Daran will ich mich auch gar nicht gewöhnen. Das ist – nein.

So – und jetzt gibt es was zu essen!

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Wir haben es wirklich getan!

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Wir sind in Sibiu!!! Mitten in Rumänien, im Herzen von Siebenbürgen. Und natürlich ist alles ganz anders, als ich es mir vorgestellt habe…

Ich würde es beschreiben als eine Mischung aus ländlicher DDR und der frisch sanierten Innenstadt von Dresden 10 Jahre nach der Wende. Dazu eine Sprache, die mir ähnlich fremd-vertraut ist wie die tschechische aber auch immer wieder zwischendurch Menschen, die einen Dialekt sprechen, der entfernt an eine Mischung aus Deutsch und Luxemburgisch erinnert.

Wir kamen hier gestern abend an, nach einem gefühlt langen Flug in einem ziemlich warmen Flugzeug. Es schien, als hätte der Flughafen extra für unsere Ankunft geöffnet. Unser Flugzeug war wirklich das einzige auf dem ganzen Platz. Nach unserer Abfertigung wurden die Vorhänge wieder zugezogen und wer weiß, was sich dann dahinter abgespielt hat? …

Wir saßen zu der Zeit in einem offiziellen Bus und ließen uns damit von zwei älteren, ständig handykommunizierenden rumänischen Herren zum Hotel bringen. Hand und Fuß-Kommunikation funktionierte leidlich. Wo müssen wir aussteigen? Ist es überhaupt der richtige Bus? Was ist, wenn die uns jetzt sonstwohin bringen? Was, wenn die Fahrt gar nicht nach Sibiu geht? Was, wenn er überhaupt nicht anhält? Aber diese Fragen hatte zum Glück nur meine Reisebegleiterin.

Durch die Vororte von Sibiu – vorbei an dm, Lidl, Kaufland und Deichmann, dann bei Siemens rechts rein. Zu Fuß weiter zwischen Häusern durch, bei denen der Putz großflächig von den Wänden blättert und deren Fenster garantiert überhaupt gar nicht dicht sind – aber aus Holz. Und schließlich zum Gästehaus.

(Ausatmen. Geschafft. Danke. Wir sind da. Puh.)  Wir sind gut angekommen ohne den Bus zu bezahlen oder dem Mann, der uns den Weg zum Hotel gewiesen hat und dabei noch die ganze Zeit Syls Koffer gezogen hat, ein Trinkgeld zu geben. Ganz entgegen aller Regeln aus den Reiseführern – es war genau so richtig. Das wichtigste Wort scheint auch in Rumänien Danke zu sein: Multomesk. Ein Türöffner. Und ein Türschließer.

Abends gabs Essen in der Pizzeria gegenüber – die war sehr lecker und die bunte Gemüseauflage war bestimmt dreimal so dick wie der Teig darunter. Hmmm.

Kleiner Stadtrundgang – malerisch. Wäre da nicht dieser EU-Gipfel, der hier morgen, also heute, beginnt und die ganze Stadt in Atem nimmt: Überall Polizei und Feuerwehr, überall Absperrungen. Trotzdem: Sibiu ist schön – gerade in diesem Widerspruch zwischen Verfall und Mondäne. Überall ist Potential.

 

Nach ruhiger Nacht gings heute morgen in die Stadt. Wow. Noch mehr Polizei. Noch mehr Feuerwehr. Noch mehr Sperren. Und auf dem Holzsteg, der über den Hauptplatz verlegt wurde, knieten einige Männer, um den roten Teppich auszurollen. Mit Regenschutzfolie – versteht sich. Auf Nachfrage sagten sie, dass der nach dem Gipfel entsorgt wird – dann wäre er ja nicht mehr ok – und wenn es erst regnet, dann ist er eh ganz hin (mit der flachen Hand waagerecht vor dem Hals entlanggestrichen). – Das sind bestimmt 300 qm roter Vliesteppich! Es ist so krass. Da könnte man doch schon mal anfangen zu sparen: Geld, Arbeitszeit, Ressourcen, Müll, Mikroplastik? – wieso muss Monsieur Juncker denn auf einem Teppich über den Platz gehen? Läuft er barfuß? Leben wir noch in monarchischen Zeiten?

Aber bevor ich mich aufrege. Die Buchhandlung Schiller am großen Platz ist trotz großem Gehabe vor der Haustür geöffnet und ist wirklich schnuckelig: Sie haben ganz viel deutschsprachige Literatur und sogar einige Zeitungen! Ein Lei kostet eine Zeitung – das sind rd. 20 ct. Natürlich kaufen wir sie – die Sprache ist etwas altertümlich – ich mag es: Bei einem Staatsbesuch in Bulgarien hat der Papst Joghurt mit bulgarischen Joghurtkulturen bekommen – und sich gefreut. und die Deutsche Zeitung für Rumänien titelt: „Immer mehr Kranke – Zahl der Geistesgestörten hat sich in sechs Jahren verdoppelt.“ Im folgenden Artikel heißt es, dass erfreulich mehr als die Hälfte der Menschen im Banat „als gesund gelten, da sie mit keinerlei chronischen Leiden bei der Gesundheitsdirektion aufscheinen“ – nämlich genau 51% der rund 295.579 Einwohner.

Klingt interessant – oder?

Nach einem gesunden Mittagessen (Smoothie und Energiebällchen) in einem Roh-Vegan-Restaurantchen haben wir auf dem zentralen Platz viele helle Prinzipien und Dinge in den Raum gerufen:

Möglichkeit, Kreativität, Liebe, Freiheit, Humor, Kreativität, Einssein, Zukunft, Ahnenstrom, Klarheit, Achtsamkein, Schönheit, Mitgefühl, freie Meinungsäußerung, Wertschätzung, das Erkennen gleicher Ziele von unterschiedlichen Menschen wie Glück, Sinnhaftigkeit des Lebens und Frieden, Authentizität, Enkel und Urenkel, Wahrheit, Dienst, Gemeinschaft, Mut. Wow. Was für ein Raum. Möge darin Neues möglich werden.

Weiter durch die Stadt und dann zum Markt.

Nettes kleines biologisch-lokales Eis-Take-away in der Nebenstraße…

Oh. Es gibt lebende Wellensittiche und Kaninchen, auch Meerschweinchen sind zu haben, außerdem tote Tiere in allen Facetten. Lecker – wirklich lecker Gemüseberge. Geknackte Walnüsse für 6 Lei das Kilo – das sind ca. 1,50 Euro. (Schade, dass wir nicht 50 kg Gemüse mitbringen können.) Und einige Läden, die auf Neudeutsch: Unverpacktläden heißen würden: Hier gibts kaum Plastik – cool. Bohnen gibt es da – so unterschiedlich, dass ich am liebsten – angesteckt von der Sprache hier – mannigfaltig sagen wollte. Linsen, Buchweizen und viel verschiedenes Getreide, Reis, Kokosflocken und tausend Sachen mehr.

Jetzt sitze ich im Hotel, habe gerade eine rumänische Reisetomate gegessen und ihre Samen trocknen auf einem Stück Papier neben mir. Ich bin froh, dass ich dem Ruf nach hier gefolgt bin, auch wenn ich das schicksalhafte hier noch nicht gefunden habe. Aber heute ist ja auch erst der erste Tag….

aus wanderleben wird wunderleben – oder früher war ich eisverkäufer

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mannometer hatte ich ein mulmiges gefühl, als wie am vergangenen donnerstag (war es donnerstag? – ja!) hier nach belgien kamen. wir hatten keine ahnung, wo wir unterkommen würden und obwohl das im vergangenen jahr eigentlich jeden tag so war (und gut war), hatte ich plötzlich ganz schön weiche knie.

angekommen sind wir nach einer wieder mal ewig langen fahrt in manderfeld in einem superschönen bed and breakfirst, wo wir bei bruno, veerle und kaj ein schönes zimmer für uns alle beziehen konnten. unsere esel stehen in trauter eintracht auf der wiese neben dem haus. gunnar und ich hatten dieses nette neue haus im mai entdeckt und waren auf gut glück hierhergefahren.

ja. und seitdem sind wir quasi pausenlos unterwegs, um nach unserem mäh zu suchen. das ist ganz schön anstrengend und manchmal auch ganz schön überraschend. gestern zum beispiel haben wir mehr oder weniger durch zufall in einem kleinen tal einen verlassenen und total verfallenen campingplatz entdeckt – unheimlich waren die vielen kaputtvandalierten caravans, aber die lage – ein traum – diese stille! – ausatmen. reines ausatmen.

überall und nirgends sprechen wir leute an, die hier leben und fragen nach höfen und erzählen von unserem anliegen. und dabei erleben wir die unterschiedlichsten typen, teilweise echt schräg und trotzdem echt nett…

ja. und uns wird immer klarer, daß unser wanderleben jetzt erstmal  zuende ist. selbst, wenn der platz zum bleiben noch nicht gefunden ist, den wir uns inzwischen ziemlich sehr ersehnen. das ist ein komisches gefühl. es fühlt sich an, wie unerledigte hausaufgaben. aber wir sind dran. auf neuem terrain.

wenn wir eines gelernt haben auf dem jakobsweg, in diesem jahr, an dessen anfang uns doch einige für verrückt erklärt hatten, dann ist es, zu darauf zu vertrauen, daß sich viele dinge finden, wenn wir die ständige planerei loslassen, daß wir vertrauen brauchen, daß uns das leben, das schicksal die möglichkeiten und chancen zuspielen, die wir brauchen.

in vorbereitung auf unser hiersein in belgien habe ich rund 30 emails an ferienwohnungen und -häuser geschrieben und um unterkunftsmöglichkeiten für die ersten zwei wochen gefragt und als antwort bekam ich lediglich fünf absagen. echt. und trotzdem haben wir es jetzt so gut getroffen. – jaja – papa – ich höre dich schon, darauf kann man sich natürlich nicht verlassen, aber man kann darauf vertrauen. und wenn es mal nicht klappt, dann muß man halt nach anderen möglichkeiten suchen.

(ich kann euch allerdings allen sagen, daß mir diese nahezu großmütterliche gelassenheit auch nicht immer leicht fällt…)

am wochenende wollen wir für ein paar kleine tage nach bonn fahren – lange können wir ja nicht bleiben, es sind ja doch noch keine herbstferien, wie ich eigentlich gedacht hatte… ach und wir freuen uns alle schon ganz doll auf euch und mohrle und die hühner und alles. und jonna freut sich aufs waveboard und jakob aufs lego und jolanda auf ihren nachfeiergeburtstag… ja.

so. ich merke, ich rede um den heißen brei herum, denn eigentlich will wanderleben sich fürs erste verabschieden. das ist nicht ganz leicht, denn der blog war manches mal eine wohltat für mich: eure kommentare zu lesen war eine freude, egal ob als email oder in den blog geschrieben. dankeschön. es war bisweilen therapeutisch für mich, zu bloggen, weil es mir wieder mehr den blick von außen auf uns gegeben hat, mir die freiheit und das glück wieder klar gemacht hat, und weil ich mich immer ein bischen zum schreiben zurückgezogen habe, hat es mir ruhezeiten zur eigenen reflexion geschenkt. ja. es war einfach gut. und weil das mäh noch nicht gefunden ist, will ich versuchen, unter anderem titel weiterzuschreiben. vielleicht unter wunderleben.wordpress.com?

mal sehen. jetzt sind aber zuerst die kinder dran. wir basteln gleich ein buchstabenmemory mit groß-, klein- und schreib- und druckschriftbuchstaben.

ich melde mich wieder. spätestens in zwei wochen? aber eigentlich muß ich ja überhaupt fragen: wollt ihr das eigentlich? (ich bitte echt um eure antwort!)

lieber gruß aus dem herbstlichen belgien

judith

ps: ich hab vergessen, die schleife zum eisverkäufer zu machen: bruno, unser gastgeber hier, mit dem gunnar grad ein weiteres zimmer ausbaut, hat uns gestern erzählt, daß er in seinem „früheren“ leben eisverkäufer war. ist das nicht toll? er hätte genausogut sagen können, daß er – sagen wir – echter zauberer oder mary poppins gewesen wäre. ich finde eisverkäufer ist ein echt märchenhafter beruf – oder? irgendwie bizarr, daß man so sein leben ändern kann… – und spannend, wie viele menschen irgendwann mal ihren plan verwerfen – auch ohne vorher eisverkäufer gewesen zu sein…

 

 

keine feigen mehr…

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es ist 8.33 uhr. ich sitze in einem mobilhome auf dem campingplatz von contrexeville, es ist kalt, tauwasser tropft von den wänden. draußen ist es herbst geworden, die blätter gelben sich schon und es ist morgens neblig.

wir sind am montag von la richarde aufgebrochen und haben die auvergne hinter uns gelassen. als wir über die letzten hügel fuhren, da lag das platte land so weit und unbergig, so langweilig vor uns, zivilisation, häuser, dicht an dicht, eine wahnsinnig weite sicht, aber nur die wolken – so tief und füllig vor blauem himmel aufgehängt – haben uns wirklich berührt. ab da sind die erinnerungen an unsere wanderungen esellos gewesen, ganz anders. alles rückwärts, der einsetzende winter, der erste schnee, die ersten kalten nächte und – ach ja – hier – haben wir doch an halloween (älowi, wird das auf französisch ausgesprochen) übernachtet.

wir haben station gemacht bei michelle und jean, wo wir einen superschönen tag verbracht haben, wir haben ihren sohn besucht, der künstler ist und uns seine kleine, sehr inspirierende ausstellung gezeigt hat, wir haben pilze gesucht und gefunden. wir haben geredet und zusammen gegessen. es war einfach schön. bei unserer abreise haben wir in einem tollen bioladen eingekauft, dem schönsten, den ich in frankreich gesehen habe bisher. und das beaujolais überhaupt – so schön.

und jetzt wird es ernst. und – alles schwimmt. hilfe. wie damals, als unser entschluß stand, auf den jakobsweg zu gehen. wenn es daran geht, die umsetzung zu beginnen, dann wird es spannend, aufregend und manchmal ganz schön ungemütlich.

in schlaflosen nächten frage ich mich, was wir überhaupt in belgien wollen, wieso eigentlich nicht alles ganz normal laufen kann, wie bei anderen familien auch. man muß sich halt ein bischen zusammenreißen. und überhaupt, wer will überhaupt nach belgien? sind wir nicht komplett verrückt, ohne eine adresse ansteuern zu können, dahin zu fahren – und wohin überhaupt in belgien? tausend fragen, die sich vor mir auftürmen.

und gleichzeitig doch die sicherheit, daß es richtig ist, die gewissheit, daß das jetzt der nächste schritt ist. einfach weil es so ist. manchmal ist es so klar, so einfach, so schlicht. und vielleicht auch gerade deshalb so stark, und auch nicht durch bequemlichkeien zu beeindrucken…

wir fuhren an beaunne vorbei, wo unsere gemeinsame wanderzeit mit nicolai und felix endete und wir ein superschönes wochenende mit manckes verbrachten und über den zerfallenden käse auf dem markt staunten. vorbei an all diesen klingenden namen der weinbauregion burgund: nuits st. george, wo adilette uns durch die stadt begleitete und wir in diesem tollen kleinen pilgerchalet mit großem gemüsegarten übernachteten. weiter nach dijon, vorbei an grancey und beze, wo wir eine schöne woche mit meinen eltern verbracht haben im letzten herbst und wo wir mit felix und nicolai gestartet sind.

vorbei an langres, wo wir jolandas 5. geburtstag mit aenne und harm gefeiert haben und weiter in richtung neufchateau, wo gunnar solche hüftschmerzen vom langen anhänger-ziehen hatte.

alle paar kilometer werden erinnerungen wach.

und jetzt – so ist unser gefühl, fängt der jakobsweg nochmal von vorn an. spannend, schön, kribbelig und aufregend.

gestern haben wir dann – nachdem wir die esel untergebracht hatten – eine kleine tour nach vittel gemacht – hier in den vogesen entspringen diese ganzen europa-, vielleicht weltbekannten wasser, vittel, contrex, etc. die perverserweise von nestlé vertrieben werden (wieder ein extrablog…kleines filmchen siehe unter: http://www.youtube.com/watch?v=cYJ4gQFZ1nE , weitere infos unter http://www.bottledlifefilm.com/‎). eigentlich wollten wir in der therme baden gehen, aber es ist hier nicht üblich, daß man sich einfach treiben läßt, sondern man muß im vorhinein anwendungen buchen, merkwürdige regelung… und auch die stadt – nee. muß nicht sein, so mondänes schauspielgehabe, ist irgendwie nicht unseres… fühlt sich fremd und falsch an für uns.

ja. und jetzt gehts weiter. frühstück. schokobrote und apfelkompott. und dann auf die autobahn.

auf bald. und liebe grüße in die immer näher rückende normale welt…
judith