aus wanderleben wird wunderleben – oder früher war ich eisverkäufer

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mannometer hatte ich ein mulmiges gefühl, als wie am vergangenen donnerstag (war es donnerstag? – ja!) hier nach belgien kamen. wir hatten keine ahnung, wo wir unterkommen würden und obwohl das im vergangenen jahr eigentlich jeden tag so war (und gut war), hatte ich plötzlich ganz schön weiche knie.

angekommen sind wir nach einer wieder mal ewig langen fahrt in manderfeld in einem superschönen bed and breakfirst, wo wir bei bruno, veerle und kaj ein schönes zimmer für uns alle beziehen konnten. unsere esel stehen in trauter eintracht auf der wiese neben dem haus. gunnar und ich hatten dieses nette neue haus im mai entdeckt und waren auf gut glück hierhergefahren.

ja. und seitdem sind wir quasi pausenlos unterwegs, um nach unserem mäh zu suchen. das ist ganz schön anstrengend und manchmal auch ganz schön überraschend. gestern zum beispiel haben wir mehr oder weniger durch zufall in einem kleinen tal einen verlassenen und total verfallenen campingplatz entdeckt – unheimlich waren die vielen kaputtvandalierten caravans, aber die lage – ein traum – diese stille! – ausatmen. reines ausatmen.

überall und nirgends sprechen wir leute an, die hier leben und fragen nach höfen und erzählen von unserem anliegen. und dabei erleben wir die unterschiedlichsten typen, teilweise echt schräg und trotzdem echt nett…

ja. und uns wird immer klarer, daß unser wanderleben jetzt erstmal  zuende ist. selbst, wenn der platz zum bleiben noch nicht gefunden ist, den wir uns inzwischen ziemlich sehr ersehnen. das ist ein komisches gefühl. es fühlt sich an, wie unerledigte hausaufgaben. aber wir sind dran. auf neuem terrain.

wenn wir eines gelernt haben auf dem jakobsweg, in diesem jahr, an dessen anfang uns doch einige für verrückt erklärt hatten, dann ist es, zu darauf zu vertrauen, daß sich viele dinge finden, wenn wir die ständige planerei loslassen, daß wir vertrauen brauchen, daß uns das leben, das schicksal die möglichkeiten und chancen zuspielen, die wir brauchen.

in vorbereitung auf unser hiersein in belgien habe ich rund 30 emails an ferienwohnungen und -häuser geschrieben und um unterkunftsmöglichkeiten für die ersten zwei wochen gefragt und als antwort bekam ich lediglich fünf absagen. echt. und trotzdem haben wir es jetzt so gut getroffen. – jaja – papa – ich höre dich schon, darauf kann man sich natürlich nicht verlassen, aber man kann darauf vertrauen. und wenn es mal nicht klappt, dann muß man halt nach anderen möglichkeiten suchen.

(ich kann euch allerdings allen sagen, daß mir diese nahezu großmütterliche gelassenheit auch nicht immer leicht fällt…)

am wochenende wollen wir für ein paar kleine tage nach bonn fahren – lange können wir ja nicht bleiben, es sind ja doch noch keine herbstferien, wie ich eigentlich gedacht hatte… ach und wir freuen uns alle schon ganz doll auf euch und mohrle und die hühner und alles. und jonna freut sich aufs waveboard und jakob aufs lego und jolanda auf ihren nachfeiergeburtstag… ja.

so. ich merke, ich rede um den heißen brei herum, denn eigentlich will wanderleben sich fürs erste verabschieden. das ist nicht ganz leicht, denn der blog war manches mal eine wohltat für mich: eure kommentare zu lesen war eine freude, egal ob als email oder in den blog geschrieben. dankeschön. es war bisweilen therapeutisch für mich, zu bloggen, weil es mir wieder mehr den blick von außen auf uns gegeben hat, mir die freiheit und das glück wieder klar gemacht hat, und weil ich mich immer ein bischen zum schreiben zurückgezogen habe, hat es mir ruhezeiten zur eigenen reflexion geschenkt. ja. es war einfach gut. und weil das mäh noch nicht gefunden ist, will ich versuchen, unter anderem titel weiterzuschreiben. vielleicht unter wunderleben.wordpress.com?

mal sehen. jetzt sind aber zuerst die kinder dran. wir basteln gleich ein buchstabenmemory mit groß-, klein- und schreib- und druckschriftbuchstaben.

ich melde mich wieder. spätestens in zwei wochen? aber eigentlich muß ich ja überhaupt fragen: wollt ihr das eigentlich? (ich bitte echt um eure antwort!)

lieber gruß aus dem herbstlichen belgien

judith

ps: ich hab vergessen, die schleife zum eisverkäufer zu machen: bruno, unser gastgeber hier, mit dem gunnar grad ein weiteres zimmer ausbaut, hat uns gestern erzählt, daß er in seinem „früheren“ leben eisverkäufer war. ist das nicht toll? er hätte genausogut sagen können, daß er – sagen wir – echter zauberer oder mary poppins gewesen wäre. ich finde eisverkäufer ist ein echt märchenhafter beruf – oder? irgendwie bizarr, daß man so sein leben ändern kann… – und spannend, wie viele menschen irgendwann mal ihren plan verwerfen – auch ohne vorher eisverkäufer gewesen zu sein…

 

 

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keine feigen mehr…

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es ist 8.33 uhr. ich sitze in einem mobilhome auf dem campingplatz von contrexeville, es ist kalt, tauwasser tropft von den wänden. draußen ist es herbst geworden, die blätter gelben sich schon und es ist morgens neblig.

wir sind am montag von la richarde aufgebrochen und haben die auvergne hinter uns gelassen. als wir über die letzten hügel fuhren, da lag das platte land so weit und unbergig, so langweilig vor uns, zivilisation, häuser, dicht an dicht, eine wahnsinnig weite sicht, aber nur die wolken – so tief und füllig vor blauem himmel aufgehängt – haben uns wirklich berührt. ab da sind die erinnerungen an unsere wanderungen esellos gewesen, ganz anders. alles rückwärts, der einsetzende winter, der erste schnee, die ersten kalten nächte und – ach ja – hier – haben wir doch an halloween (älowi, wird das auf französisch ausgesprochen) übernachtet.

wir haben station gemacht bei michelle und jean, wo wir einen superschönen tag verbracht haben, wir haben ihren sohn besucht, der künstler ist und uns seine kleine, sehr inspirierende ausstellung gezeigt hat, wir haben pilze gesucht und gefunden. wir haben geredet und zusammen gegessen. es war einfach schön. bei unserer abreise haben wir in einem tollen bioladen eingekauft, dem schönsten, den ich in frankreich gesehen habe bisher. und das beaujolais überhaupt – so schön.

und jetzt wird es ernst. und – alles schwimmt. hilfe. wie damals, als unser entschluß stand, auf den jakobsweg zu gehen. wenn es daran geht, die umsetzung zu beginnen, dann wird es spannend, aufregend und manchmal ganz schön ungemütlich.

in schlaflosen nächten frage ich mich, was wir überhaupt in belgien wollen, wieso eigentlich nicht alles ganz normal laufen kann, wie bei anderen familien auch. man muß sich halt ein bischen zusammenreißen. und überhaupt, wer will überhaupt nach belgien? sind wir nicht komplett verrückt, ohne eine adresse ansteuern zu können, dahin zu fahren – und wohin überhaupt in belgien? tausend fragen, die sich vor mir auftürmen.

und gleichzeitig doch die sicherheit, daß es richtig ist, die gewissheit, daß das jetzt der nächste schritt ist. einfach weil es so ist. manchmal ist es so klar, so einfach, so schlicht. und vielleicht auch gerade deshalb so stark, und auch nicht durch bequemlichkeien zu beeindrucken…

wir fuhren an beaunne vorbei, wo unsere gemeinsame wanderzeit mit nicolai und felix endete und wir ein superschönes wochenende mit manckes verbrachten und über den zerfallenden käse auf dem markt staunten. vorbei an all diesen klingenden namen der weinbauregion burgund: nuits st. george, wo adilette uns durch die stadt begleitete und wir in diesem tollen kleinen pilgerchalet mit großem gemüsegarten übernachteten. weiter nach dijon, vorbei an grancey und beze, wo wir eine schöne woche mit meinen eltern verbracht haben im letzten herbst und wo wir mit felix und nicolai gestartet sind.

vorbei an langres, wo wir jolandas 5. geburtstag mit aenne und harm gefeiert haben und weiter in richtung neufchateau, wo gunnar solche hüftschmerzen vom langen anhänger-ziehen hatte.

alle paar kilometer werden erinnerungen wach.

und jetzt – so ist unser gefühl, fängt der jakobsweg nochmal von vorn an. spannend, schön, kribbelig und aufregend.

gestern haben wir dann – nachdem wir die esel untergebracht hatten – eine kleine tour nach vittel gemacht – hier in den vogesen entspringen diese ganzen europa-, vielleicht weltbekannten wasser, vittel, contrex, etc. die perverserweise von nestlé vertrieben werden (wieder ein extrablog…kleines filmchen siehe unter: http://www.youtube.com/watch?v=cYJ4gQFZ1nE , weitere infos unter http://www.bottledlifefilm.com/‎). eigentlich wollten wir in der therme baden gehen, aber es ist hier nicht üblich, daß man sich einfach treiben läßt, sondern man muß im vorhinein anwendungen buchen, merkwürdige regelung… und auch die stadt – nee. muß nicht sein, so mondänes schauspielgehabe, ist irgendwie nicht unseres… fühlt sich fremd und falsch an für uns.

ja. und jetzt gehts weiter. frühstück. schokobrote und apfelkompott. und dann auf die autobahn.

auf bald. und liebe grüße in die immer näher rückende normale welt…
judith

glück ist …

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… zu wissen, wo der käse besonders lecker schmeckt…

… ein dicker korb voller bunter tomaten…

… kartoffeln und möhren frisch aus claires garten…

… kinderlachen…

…frische wäsche in duftender spätsommerluft wehen zu sehen…

… manchmal so einfach…

ich sitze im wohnzimmer in der uns so vertrauten gite auf la richarde bei ambert. draußen ist es licht bewölkt, es ist windig und kühl und es furchtbar gemütlich hier drinnen zu sitzen. vor dem fenster flattert die frisch gewaschene wäsche im wind und obwohl ich sie erst vor einer stunde rausgehängt habe, ist sie schon fast trocken. um mich herum liegt die andere wäsche, frischsommerluftduftend, die ich heute vormittag – noch im strahlenden sonnenschein dieser heidi-idylle getrocknet habe.

es ist so schön hier zu sein! so vertraut und gut. wir sind am vergangenen freitag nach einer ewig langen und halbdramatischen fahrt hier angekommen. wir hatten suffix, der sich ja im anhänger immer so blutig scheuert, nach vorn und hinten abgespannt und uns dabei furchtbar schlau gewähnt. aber das war nix. nach 10 minuten – wir hatten immerhin schon 5 km geschafft, als wir unseren standardkontrollblick in den anhänger warfen, da war suffix gestürzt – während der fahrt – wahrscheinlich, weil er keinen einzigen schritt zum ausgleich der wackelei und kurverei machen konnte. aber das drama war, daß er erstmal nicht wieder aufstehen konnte, weil er sich jedes mal, wenn er es versuchte, übelst den kopf an der vorderen waagerechten stange, an der man die esel anbindet und über die sie normalerweise den kopf strecken, stieß. irgendwann versuchte er es einfach nicht mehr. wir standen geschätzt eine halbe stunde an dieser scheiß(entschuldigung)vielbefahrenen straße, als gunnar sich ein herz faßte und mit aller kraft versuchte, suffix nach hinten zu ziehen, und – ja – es gelang tatsächlich – und irgendwie stand er plötzlich auf, guckte ganz selbstverständlich und zufrieden und fraß seine belohnungsmöhre. nur gunnar sagte, daß da wohl irgendwas sich komisch anfühlte in seinem rücken. oh nein…

nach fünf weiteren stunden kamen wir hier wieder an und wurden so herzlich empfangen – und – seit tagen hatten wir mal wieder trockenes und schönes wetter mit sonne.

seitdem hatten wir ganz schöne tage hier – so entspannend, zu wissen, wo man hingehen kann, wo es schön ist und so weiter. samstag war stadttag – und klar – shoppen im second hand laden – oh hilfe, haben die aber viele schöne sachen da – und quasi nix von h&m oder c&a – und mit dem auto auf dem parkplatz und vielstgetragenen klamotten auf dem leib und nach nahezu einem jahr mit zwei t-shirts und pullis im packsack, da ist einkaufen einfach eine freude und wenn dann alles auch nur 2-4 euro kostet, noch mehr! samstag hatten wir alle erstmal unseren jakob im focus und er ließ sich bereitwillig und freudig allerlei anprobieren und ging als schnieker junger mann aus dem laden…! ich und jolanda haben auch noch was gefunden, aber wir scheiterten an der 12.00 uhr hürde. überall wo wir in frankreich die mittagspause erlebt haben, da wurde sie sehr strickt eingehalten. um fünf vor zwölf wird man höflich zur kasse gebeten, um punkt 12 wird abgeschlossen (das war in zarautz anders – im schuhladen überzogen sie ihre wertvolle siesta ohne ein wimpernzucken um eine dreiviertelstunde, weil wir im laden so engagiert alle schuhe durchprobiert haben ohne zu wissen, daß das geschäft normalerweise mittags schließt…). – naja. wir wollten ja sowieso nochmal an anderem tag richtig ausführlich kommen…

danach gings zum joie de livre, einem second hand buchladen, wo sie auch deutsche und englische und sogar holländische bücher haben. mit der weltbesten idee, den fremdsprachengebrauch durch die lektüre fremdsprachiger bücher zu stabilisieren und zu verbessern, kaufte ich einen riesigen stapel toller kinder- und jugendbücher – und entdeckte sandor marai für mich (das buch „das vermächtnis der eszter“ verstörte mich massiv, aber gut an den nächsten abenden).

nur mein armer gunnar – im buchladen legte er sich nur noch auf den boden und auch beim anschließenden lebensmitteleinkauf legte er sich auf ein tuch auf dem grünstreifen des parkplatzes – solche rückenschmerzen hatte er. und das ausgerechnet einen tag vor jolandas sechstem geburtstag!

sie hatte sich ziemlich doll gewünscht, daß er an ihrem tag schmerzfrei sein würde. leider erfüllte sich dieser wunsch nicht. aber trotzdem hatten wir einen wunderschönen tag alle zusammen. vormittags feierten wir alleine und für den nachmittag hatten wir lisa, claire und phillipe eingeladen und jakob hatte eine schatzsuche vorbereitet. bis die schatzsuche vorbei war, war der tag ein einziger aufgeregter strudel von ungeduld und freude und wildheit und warten und den damit immer verbundenen entstehenden spannungen. komischerweise überträgt sich die aufgeregtheit unter den kindern und scheint sich dabei zu potenzieren – es ist immer wieder unglaublich. ich habe manchmal das gefühl, daß ich an solchen tagen überdurchschnittlich oft versuche, beruhigend auf die kinder einzureden, aber immer ohne erfolg. naja. als der schatz gefunden und die kinder kuchen gegessen hatten, da wurde der tag so ruhig und gemütlich. wir saßen auf der terrasse, redeten viel und lange und manchmal etwas unbeholfen aufgrund der doch immer wieder auftretenden sprachbarrieren, die sonne schien warm, die kinder kamen zwischendurch und tranken wasser, ein leichter, kaum spürbarer lauer sommerwind trieb kleine schäfchenwolken über den himmel. der nachmittag war einfach wie ein großer topf mit warmer milch. so wie ich jolanda ihren kindergeburtstag wünsche und so wie ich meine eigenen in erinnerung habe: die erwachsenen reden am tisch und wir kinder konnten in der dadurch entstehenden freiheit wunderbar spielen.

übrigens spielen sie hier mit großer freude wasser wie sidra einzuschenken und ahmen dabei diese – für mich etwas alberne – geste nach, die die männer beim sidra einschenken immer machen: die hand mit dem glas ganz weit unten, die mit der flasche ganz weit oben und dann schütten – man darf auch nur einen „popo“ (einen schluck) einschenken – aber besonders toll ist, daß immer was daneben geht, sogar bei den profis… (eine deutsche beschreibung mit bild unter: http://www.elchigrealeman.com/sidra-asturiana/ )

und in dieser pflaumenduftenden sommerluftigen art verbringen wir die tage seit unserer ankunft. mittwoch hat gunnar sich dann von einem osteopathen mit relativ gutem erfolg behandeln lassen. was für eine erleichterung. donnerstag hatten wir einen superschönen vormittag auf dem markt. der markt ist im sommer hier um ein vielfaches größer und bunter als im winter und wir haben viele menschen wiedergetroffen, die wir noch von unserer pausenzeit hier kannten – einfach schön. und dann war da auch noch ein stoffhändler aus bordeaux, der mir zum verhängnis wurde: er hatte stoffe für nur 2,00 euro im meter – wollstoffe kosteten schlappe 3,00. und er hatte auch noch ziemlich schöne stoffe. mannometer – das paket war ziemlich schwer, was ich danach geschleppt habe… aber so schön! – wieder so ein beschenkt-werde-tag…

noch eine neuerung dieser woche ist der homeschooling-wiederbeginn. immer wieder ist es eine herausforderung, zu akzeptieren, daß die meisten kinder besser anders lernen, als ich es in der schule mußte. jonna zum beispiel liebt es, wenn ich ihr hausaufgaben gebe, die sie dann in ihrer rolle als mary in „unsere kleine farm“ – eingebaut ins spiel mit jolanda – macht. so kommt es vor, daß sie erst eine stunde lang in jolandas gitterbettchen zusammen mit allen puppen und kissen eingepfercht sitzen und planwagenfahrt spielen mit gewitter und allem pipapo und dann – kurz vor dem mittagessen – kommen sie glücklicherweise gerade noch kurz vor dem einsetzenden schneesturm in walnut grove an, wo jonna dann als mary gleich ihre hausaufgaben macht, um sie kurz danach dann ihrer mutter caroline (mir) zu zeigen.

oder das rechnen – das geht am besten mit geld (man braucht viel viel kleingeld, das man teilen oder mit dem man einkaufen oder hotel oder sonstwas spielen kann) oder mit rechenkeksen (mit 10er einteilung, etwas kompliziert zu erklären…). die details, die methoden und auch meine teilweise starken inneren zweifel gegen das aufgeben der „normalen“ lernform, aber auch über die freude und das vertrauen, das langsam wächst, wären gewiß einen eigenen blog wert.

heute haben wir nochwas ganz tolles gemacht. wir haben nämlich einen sattel gekauft. einen sattel für die esel – er paßt auf beide! und für die mädchen natürlich. und dann haben wir heute nachmittag einen „ausritt“ gemacht. abwechselnd durften jonna, jolanda und lisa reiten. jakob mochte heute nicht. aber für die mädels war es eine großer spaß und als sie dann sogar noch traben – und jeweils für ein kurzes stück noch gallopieren durften, da haben sie geschrieen vor freude. und ich bin ziemlich sicher, daß es auch für die esel spannend und schön war – eine neue phase beginnt – jetzt wird reiten gelernt – das wird bestimmt für esel und reiter eine herausforderung, die wir hoffen, mit fachkundiger hilfe gut nehmen zu können…

morgen haben wir noch einen ganzen tag auf la richarde. und montag können, wollen, müssen wir weiter. ganz schweren herzens. aber es ist gut, zu wissen, daß wir hier bestimmt immer (nach verfügbarkeit) einen platz haben, wo wir hinkommen können und willkommen sind. also am montag geht es dann weiter nach cluny, zu michelle und jean averly, diesen wunderbaren menschen, bei denen wir im letzten oktober/november eine woche verbracht haben (da war auch der tierarzt, der uns von den kuhkaiserschnitten erzählt hat). die beiden sind auch so so nett – ich freu mich schon sehr darauf. und dann fahren wir mit ungewissen etappenzielen weiter bis nach belgien, wo wir für zwei wochen in einer ferienwohung unterkommen. in den herbstferien werden wir nach bonn kommen, wie genau, müssen wir noch entscheiden.

es ist schwer und schön gleichzeitig, so zu starten. viele dinge, orte, menschen, auf die ich mich so so freue, die ich und wir alle uns so ersehnen und so viele dinge, orte, menschen, die wir dazu zurücklassen müssen, das ist manchmal ganz schön heftig und sorgt zuweilen für heftige stürme in mir und uns. es ist gut zu wissen, daß das wichtige bleibt: die erfahrung, die menschen und wir selbst. und was auch wichtig ist und gut und was in diesem jahr gewachsen ist, das ist das vertrauen, daß jeder tag neue und bisweilen ungeahnte möglichkeiten birgt, gerade wenn wir uns auch trauen, die ausgetretenden und bekannten pfade zu verlassen, links und rechts zu schauen und in den himmel zu sehen. und der rest kommt.

mit apfelmus schließt sich der kreis

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vor acht tagen, am 5.9. haben wir in finisterre DEN muschelstrand
entdeckt. es ist einfach traumhaft schön dort – er liegt auf der
rückseite der halbinsel und ist lang und weiß und überall gibt es
muscheln in allen formen und farben und alles gitzert und blinkt und das meer liegt türkisblau davor und entspannt sich in der sonne, alles ist
voller licht und glanz und – ach – ich finde keine worte. in den letzten
monaten hatte ich es zwischendurch eher schwer, das meer so richtig zu
genießen, an diesem strand aber, da waren strand und meer in einer
stunde schöner und intensiver als die ganze zeit davor zusammengenommen. und das hat mir so richtig gut getan.

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der muschelstrand in finisterre

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wilder fenchel an der eselweide.
am abend vor unserer abreise konnten wir am kap tatsächlich noch einen richtig schönen sonnenuntergang sehen – über der weite des ozeans. irgendwie kann ich hier verstehen, daß die menschen dachten, hier sei die welt zuende, sie sei nur eine scheibe – man erkennt vielleicht mit etwas goodwill eine leichte rundung am horizont, aber die scheibe kann ja auch rund sein und dann wäre es ja nur normal, wenn der rand so leicht gebogen erscheint. wie mutig, von diesen männern, einfach in
diese endlosigkeit zu segeln, ohne zu wissen wo es langgeht, wo man
ankommt – und dann haben sie auch noch gegen jede damals herrschende vernunft gehandelt und auf uralte, bzw. eigene berechnungen vertraut. und dabei muß kolumbus ja auch noch so überzeugend dahergekommen sein, daß er tatsächlich der spanischen königin die flotte abgeschnackt hat (gut – sie war wohl auch ganz schön drauf erpicht, als erste den seeweg nach indien zu erkunden und sich dadurch eine große scheibe von damaligen welthandelskuchen auf die eigene platte zu legen…). naja.
wie auch immer. sonnenuntergang. traumhaft schön über weitem meer.

ein feuer machten wir übrigens nur ganz verkrampft, denn wir hatten
angesichts der extremen trockenheit etwas bammel, einen waldbrand zu entfachen… aber wir machten eins, und zum anfachen nahmen wir die stellenanzeigen der süddeutsche zeitung von irgendwann im mai und mir begegnete eine stellenanzeige der uni cottbus – glaube ich – mit dem untertitel: „die zukunft soll man nicht vorraussagen können, sondern ermöglichen.“ (von antoine de saint exupery) – ist das nicht ein toller spruch für einen solchen abend? und als einstieg in den rückweg, der ja als beginn des neuen gilt…

am nächsten tag, es war der 7.9.2013, traten wir unsere rückreise an.

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auf dem rückweg, es zieht sich langsam zu – wir verlassen das dürre und trockene galizien – es nieselt sogar leicht…

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guckt mal, wie sehr die brücke gewachsen ist! als wir hier lang liefen, sah sie noch ganz anders aus!
entgegen der navi-empfehlungen beschlossen wir über a coruna und nicht über santiago nach gijon zu fahren und wir wissen nicht, ob es daran lag, daß wir so ewig lang gebraucht haben oder ob die strecke einfach so lang ist. nach geschätzten sechs und gefühlten zehn stunden kamen wir endlich bei falo an. – und das war richtig schön. alles war so vertraut und als er uns aus seinem nikolausbart heraus anlachte, da waren wir einfach nur willkommen. das ist vielleicht ein schönes gefühl, nach all dieser pilgerei – irgendwo anzukommen, an einem ort, den man von vornherein kennt, wo wir wissen, wie die menschen sind, selbst, wenn wir sie nur oberflächlich kennen. und falo freute sich – glauben wir – auch richtig, uns wiederzusehen. nur eins hatte sich verändert: der fuchs
hatte alle hühner geholt, die vorher so fleißig pickend über das ganze
grundstück gelaufen waren… der doofe fux.

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pfannekuchenaktion auf falos hexe…
ein problem, das wir schon halb befürchet hatten, tat sich um suffix
auf: er hat offensichtlich noch nicht gelernt, im anhänger zu fahren und
geht mit den hinterbeinen immer in die knie beim fahren. so rutscht er
unter die absperrung und schuppert sich ziemlich doof immer sein
hinterteil auf – also nicht nur bischen fell ab und das wars, sondern
fell ab und haut ab und blutig. so richtig fies. das tut sogar uns weh.
wir bemühten uns erfolglos, eine pferdedecke zu bekommen, um ihn
irgendwie zuzudecken – selbst auf dem flohmarkt am sonntag war nichts zu machen (dafür hätte ich mir da beinahe ein paar wellensittiche gekauft und jakob ein paar schildkröten mitgebracht, aber gunnar sagte, er sei gegen weitere tiertransporte durch halb europa…). naja.

am vergangenen montag haben wir dann unsere esel gegen wachsenden widerstand wieder verladen und sind dann nur eine kurze etappe gefahren. julio, der bruder von falo, der uns damals auf dem weg nach santiago so schicksalhaft begegnet ist, als die eselfeindliche gesellschaft asturiens uns fast das moralische genick gebrochen hat, hatte uns eingeladen: er hat noch ein haus in den picos, wo auch platz für die esel ist. also auf nach niembro, kurz vor llanes. obwohl wir suffix
anders eingespannt und die absperrung anders befestigt hatten, hatte er wieder ein wundes hinterteil, aber richtig übel. hoffentlich steigt er
überhaupt nochmal in den wagen…

– das haus, in dem wir jetzt seit montag sind, ist ein uraltes, klitzekleines haus, vielleicht 20 qm groß, mit fließend wasser für die spüle und die badewanne, strom und das wars.
julio hatte es vor fast zwanzig jahren gekauft, nachdem er sich in den
flecken erde so verliebt hatte und ein halbes jahr vor ort gecampt
hatte, bis die ortsansässigen bauern mehr oder weniger nachgaben, und
ihm eine zusammengefallene scheune verkauften. er richtete es mit den
originalen bauteilen wieder her und lebte mehrere jahre mit seiner
helena hier. es ist, als wäre die zeit stehengeblieben. – wir haben eine
küchenhexe, auf der man kochen und in der man backen kann und wenn man warm wasser haben will, dann muß man sie auch anheizen. einfach nur toll. wir schlafen auf drei zusammengeschobenen matratzen und fühlen uns wie könige.

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die mädels arbeiten in ihren heften – sonnenschein vor unserer hütte.

ich würde euch zu gern ein foto von diesem engen gehäuse hier am ort
zeigen – so klein und fitzelig und doch so luxuriös. die alten aus
diesem „dorf“ sind inzwischen alle gestorben und julio hat die häuser an
einige seiner freunde vermittelt. häuser – zweiraumhäuser, total
verfallen, in deutschland längst abgerissen und schöne appartementhäuser mit großem balkon und satellitenschüssel gebaut, aber hier einfach liebhaberstücke… – und – mir gefällts. für uns ist es eine perfekte stufe in die wiedereingliederung in die inhäusig lebende gesellschaft. so was wünschen wir uns als einstiegsmäh… –

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unsere aussicht auf die picos.

und dann dieser blick! die picos! – kennt ihr die? das ist echt der
hammer – so eine landschaft hab ich nie gesehen. so steil und hoch und
schroff, daß daran nichts richtig wachsen kann, nur etwas gras und das
auch nur weiter unten – es ist so krass. vor unserem haus fällt der hang
steil ab ins tal und dahinter sieht man diese postkartenkulisse – drei
der spektakulärsten picos-gipfel… und hinter unserem haus steigt der
hang steil an und mündet in senkrechte felsen, auf denen sich im
spanischen bürgerkrieg die widerstandskämpfer gegen franco verrammelt hatten, bevor sie auf übelste weise alle abgeballert wurden. (ich weiß nicht, wozu die menschheit überhaupt kriegsspiele und star wars braucht – es gibt so viel grausamste und krasseste gewalt und unmenschlichkeit in unserer wirklichkeit – nicht nur jahrzehnte her, sondern auch jetzt… – naja.). und wenn man auf diese felsen heraufkäme – was gunnar vergeblich versucht hat – dann könnte man wohl das meer sehen…

nachdem wir am dienstag einen kompletten regentag im haus verbracht
haben (und nur zum einkaufen mal im dörfli waren – endlich mal wieder
ein vorratsregal! – sogar jakob freute ich darüber!), machten wir am
mittwoch bei sonnenschein eine tour in die picos. ich werde jakob bitten
ein filmchen daraus zusammenzuschneiden und hochzuladen, damit ihr das anschauen könnt. extrem beeindruckende und spannende landschaft. wir haben sogar schnee gesehen – und einen vogel, von dem ich glaubte, es sei ein adler, er hatte wirklich einen so weißen kopf und einen schwarzen körper und er flog in so großen weiten, majestätischen bögen über die gipfel, aber ein (spielverderber-)spanier meinte, es sei wohl nur ein geier gewesen. manno. ich würde doch so gerne mal einen adler sehen…!

aber ich kann sagen, daß ich dankbar bin, dankbar dafür, daß gunnar so sicher und besonnen gefahren ist, daß der festhaltegriff am beifahrersitz von ford – vielleicht extra für leicht höhenneurotische
beifahrer bei picos-touren – so festgeschraubt wurde, daß die
leitplanken auf der talseite nur an einer einzigen stelle fehlten (und
gunnar mich beruhigte, das sei wahrscheinlich kein auto gewesen, sondern steinschlag hätte wohl die leitplanke zerrissen) und daß an diesem tag die erde nicht bebte und keine steine auf unser auto warf (wie offensichtlich an anderen tagen, es lagen nämlich einige steine auf der straße). an diesem abend, nach dieser tour, war ich einfach nur extrem müde, es war, als wäre ich eine 28 km etappe gelaufen – … aber schön war es doch.

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kurzer blick in die picos. jakob hat zwar einen film gemacht, aber ich weiß nicht, wie ich ihn einstellen kann…

dann der mittwoch – gestern – eine tour in die andere richtung – nach
norden ans meer. ein besuch auf julios und helenas selbstgebautem haus. er hat DAS mondänste grundstück für ein appel und ein ei gekauft, ganz oben in niembro, mit blick auf die picos und das azurblaue meer samt dramatischer steilküste. weil die verwaltung es für quasi unmöglich
hielt, daß er es fertigbringen würde, das gelände auch im oberen bereich
bebaubar machen zu können, genehmigte sie ihm freie hand bei der
bebauung. mit sechs freunden baute er sich ein traumhaus – nur aus alten materialien: ein altes, 100 m langes holzschiff, das verschrottet werden sollte, lieferte teakholz für die küche und einen teil des fußbodens. die treppenstufen aus altem faßholz, dachstuhl und steine kamen von zwei uralten zusammengefallenen bauernhäusern aus den bergen asturiens, die er aufgekauft und so wiederverwertet hat.

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die küche

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die katze – so mini…

alles ist so inspirierend und neu zusammen, es klingt wie peter lustigs bauwagen, ist aber meiner meinung nach wert, aufgrund seiner gestaltqualität und innovationskraft und nachhaltigkeit mal in der deutschen bauzeitung veröffentlicht zu werden (gerade angesichts dieser eisenmännischen globalisierungsarchitektur – ich glaube, ich muß da mal einen brief hinschreiben).

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auf dem weg zum meer…

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ohne worte

naja. und danach sind wir an den strand gefahren. bizarrerweise einen fkk strand, in dem wir in unseren neoprenanzügen einigermaßen nicht hineinpaßten, zumal es kaum wellen gab, auf denen meine lieben bodyboarden konnten… jakob streßten die nackten besonders. ich lag eher beobachtend da und staunte zum beispiel über die selbstverständlichkeit in der ein kräftiger, kleinerer, braungebrannter
mann, nackt und nur mit sonnenkappe bekleidet, pausenlos und immer
wieder am wassersaum von einem ende des strandes zum anderen lief.
(jetzt weiß ich endlich, wozu diese großen sonnenbrillen gut sind – man
kann einfach auch solche situationen herrlich unbefangen beobachten, die zu beobachten sich eigentlich nicht schickt…)

heute morgen bin ich aufgestanden und habe draußen im garten die vögel beobachtet, wie sie an den falläpfeln unter dem apfelbaum herumpickten. gleich raus und ein paar aufgesammelt. ich habe nur die guten genommen, an denen sich noch kein tier gütlich getan hat, nur einem wurm nahm ich das heim… und dann gab es zum frühstück apfelmus. apfelmus mit vanillezucker und sahne. wie vor einem jahr, als wir durch die lorraine liefen und sich der sommer ganz leise und nur am morgen zu bemerken – langsam und sanft verabschiedete. der herbst schob sich ins jahr. so schließen sich die kreise, brombeeren, reif und dick am brombeerstrauch hängend – ich weiß noch, wie wir vor einem jahr – kurz vor pont a mousson – nach ewigem marsch in praller sonne diese beeren am wegrand genossen. und auch jetzt werden die brombeeren wieder reif. es ist ein echtes geschenk, die natur, die jahreszeiten so basal, so grundlegend und gut erfahren zu dürfen.

jetzt gerade ist das blogschreiben für mich von großem versöhnlichem
nutzen, denn mir wird wieder klar, wie reich und glücklich wir im moment sind. heute morgen hatte ich das vergessen: ich wollte mit jonna zum markt nach posada fahren und wir bekamen nach dreißig minuten im verkehrschaos keinen parkplatz. also fuhren wir weiter nach llanes. dort stöberten wir mit mäßigem erfolg durch die stadt, immerhin fanden wir einen bioladen, in dem es köstliche wheaty-würstchen gab – für 4,15 euro!!! – ich kaufte sie trotzdem. aber dann kamen wir zum auto zurück und hatten ein knöllchen.

das auto stand ordnungsgemäß auf einem parkplatz, ich hatte extra kontrolliert, daß ich die striche auf der fahrbahn nicht berührte, ich hatte keinen hinweis gesehen, daß man irgendwas bezahlen mußte – ich hatte sogar noch extra geguckt. wie soll ich ahnen, daß man in spanien bei einer blauen parkplatzumrandung irgendwo einen parkschein ziehen muß (der parkscheinautomat stand 200 m weiter hinten, hinter
diversen halteverbotszonen). und dann soll ich auch noch 60,00 euro
bezahlen – sechzig! das ist doch wohl unglaublich. in einem land, in dem
man ungestraft überall seinen müll an die straße werfen darf, aber die
esel nicht auf den feldweg scheißen dürfen, ich hab mich ja so was von
aufgeregt. aber bevor ich damit jetzt wieder anfange, höre ich mit dem
blogschreiben auf und freue mich über die vielen wunderbaren dinge, die uns begegnen. ohne jr wäre auch dallas langweilig gewesen…

ja – wie geht es weiter? montag wollen wir von hier aus weiterreisen, in richtung zarautz (hawaii des baskenlandes – wir feierten jakobs geburtstag dort), von dort nach moissac zu anne (wo wir vor monaten die katzengeburt erlebt haben), dann über figeac (jesus ist unser gastgeber) nach ambert zu phillip, claire und lisa (wo wir den winter verbracht haben). dort wollen wir ein paar tage bleiben und jolandas geburtstag feiern. danach geht es über diverse andere         zwischenstationen weiter in richtung deutsche gemeinschaft in belgien. aber vorher melde ich mich wieder im blog bei euch!

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